Palmöl-Anbau – bitte nachhaltig

Palmöl-Anbau – bitte nachhaltig

Ökologische Effekte eines palmölfreien Deutschlands

Um die Verwendung von Palmöl drehen sich viele Diskussionen. Die Rodung von Regenwald für die Schaffung von Anbauflächen steht in der Kritik. Mittlerweile erstreckt sich der Anbau von Palmöl auf einer Fläche von über 17 Millionen Hektar, das entspricht der Hälfte von Deutschland. Produziert werden 60 Millionen Tonnen Palmöl und Palmkernöl – Tendenz steigend. Der WWF hat in einer neuen Studie berechnet, welche ökologischen Konsequenzen ein Ersatz von Palmöl durch andere Fette in Deutschland hervorrufen würde.
Das Ergebnis: Insbesondere ein Austausch von Palmöl durch andere Pflanzenöle ist nicht die Lösung. Probleme werden nur verlagert oder verschlimmern sich sogar. So bräuchten wir zum Beispiel mehr Fläche für andere Ölpflanzen wie Raps, Sonnenblume oder Kokosnuss, verursachen mehr Treibhausgasemissionen und gefährden weltweit mehr Pflanzen- und Tierarten.

Warum wollen alle Palmöl?

Palmöl ist ein nährstoffreicher, vielfältiger Rohstoff, der als der effizienteste aller Pflanzenöle gilt.

  • Herstellung: Wird aus dem Fruchtfleisch der Ölpalme gewonnen.
  • Herkunft: Mehr als 80 % der globalen Produktion stammt aus Indonesien und Malaysia.
  • Nutzung: Die Ölpalme ist eine ertragreiche, sehr produktive Pflanze.
  • Verwendung: Palmöl ist die Hauptzutat für tausende Produkte, von Körperlotion bis hin zu Nuss-Nugat-Creme oder Margarine.
  • Besonderheit: Das Öl verfügt über eine Reihe einzigartiger Charakteristika. Palmöl ist in einigen Produkten technisch kaum zu ersetzen.

Der Erfolg der Ölpalme erklärt sich aus ihrem hohen Ertrag bei geringem Flächenbedarf. Mit durchschnittlich 3,3 Tonnen Öl pro Hektar ist die Ölpalme im Vergleich zu allen anderen Ölfrüchten die ertragsreichste was den Flächenverbrauch betrifft.
Im Vergleich: Der Ertrag von Soja liegt bei nur 0,4 t Öl/ha, der von Kokosnuss bei etwas unter 0,7 t/ha und Raps bei leicht über 0,7 t/ha.



Palmöl-Anbau – bitte nachhaltig

Funktioniert ein palmölfreies Deutschland?

Für die in Deutschland genutzten 1,82 Millionen Tonnen Palmöl werden 397.781 Hektar belegt. Diese Fläche würde bei einem Verzicht auf Palmöl frei, oder?
So einfach ist das leider nicht. Die anderen Ölpflanzen benötigen ebenfalls Fläche und davon mehr als die Ölpalme. Würden man Palmöl durch einen Mix aus Raps-, Sonnenblumen-, Kokos- und Sojaöl ersetzen, so würde Deutschland das 5-fache an Fläche dafür benötigen.
Der Austausch des einen Öls durch ein anderes kann das Problem nicht lösen. Teilweise würden wir sie sogar nur verschlimmern. Zum Beispiel wachsen Soja und Kokos in den gleichen oder ökologisch ähnlich sensiblen Regionen. Für ihren Anbau wären mehr Flächen nötig, es entstünden mehr Treibhausgasemissionen und mehr Tierarten wären bedroht.
Ein komplett palmölfreies Deutschland ist derzeit nicht denkbar.
Die negativen Auswirkungen des Palmöl-Anbaus auf die Natur zeigen jedoch, dass ein Umdenken stattfinden muss.
Die Kritik an Palmöl entzündet sich wie bei vielen anderen Agrarrohstoffen an dem „Wo' und „Wie' seines Anbaus. Die Produktion erfolgt häufig nicht unter nachhaltigen Bedingungen. Für die Plantagenwirtschaft in Ländern wie Indonesien oder Malaysia werden nach wie vor illegal Regenwälder gerodet, indigene Völker vertrieben, der CO2-Ausstoß massiv vergrößert und bedrohten Tierarten die Lebensgrundlage genommen.



Nachhaltiger Umgang mit Palmöl

Der Palmöl-Anbau sollte nachhaltig und ökologisch sinnvoll gestaltet werden. Mindeststandards für den nachhaltigen Anbau von Palmöl setzt der Round Table for Sustainable Palmoil (RSPO). Ein internationaler Zusammenschluss aus Palmöl-Anbauern, Händlern, Konsumgüterherstellern, Banken sowie Nichtregierungsorganisationen wie dem WWF. Der RSPO setzt sich dafür ein, dass auf den Plantagen freiwillig mehr für Naturschutz und Menschenrechte getan wird. Zudem gibt es das „Forum Nachhaltiges Palmöl“ (FONAP). Das Forum sucht gemeinsam tragfähige Lösungen für die Verbesserung der Praktiken im Palmölsekto. Ziel des Forums ist es, den Anteil von zertifiziertem Palmöl aus nachhaltiger Produktion im deutschen, österreichischen und Schweizer Markt signifikant zu erhöhen. Es soll möglichst schnell 100% zertifiziertes Palmöl verfügbar sein.
Aber nicht nur der Palmöl-Anbau muss sich ändern, sondern auch unser Konsumverhalten.
Die gute Nachricht: Es könnten rund 50 % des deutschen Palmöl- Verbrauchs eingespart werden. Großes Sparpotenzial bietet der Bereich Biokraftstoff und ein bewussterer Verbrauch von Konsumgütern wie Schokolade, Süß- und Knabberwaren sowie Fleisch. Das ist gut für die Umwelt und für unsere Gesundheit.
Tipps für einen geringeren Palmöl-Verbrauch:

  • Bevorzuge frische, saisonale und regionale Produkte
  • Verzehre weniger und dafür besseres Fleisch, denn 8 % des nach Deutschland importierten Palmöls fließen in Futtermittel für Rinder, Geflügel und Schweine
  • Probier doch mal neue Rezepte auf Basis pflanzlicher Produkte


Palmöl-Anbau – bitte nachhaltig

Karin B.
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