Klimatarier-Challenge

Klimatarier-Challenge

Wow! Die Resonanz auf meinen Aufruf zur Teilnahme an der Klimatarier-Challenge vor 10 Tagen war enorm! Ich möchte mich dafür bei euch bedanken – ebenso für die vielen grandiosen Tipps auf allen Kanälen. Es freut mich wahnsinnig, dass ich einige von euch inspirieren konnte, einen kleinen Schritt zu versuchen und zum Klimatarier zu werden; also seine Lebensmittel so auszuwählen, dass diese möglichst wenig Ressourcen verbrauchen und wenig CO2-Emissionen verursachen, wodurch der eigene CO2-Foodabdruck schrumpft und der Umwelt etwas Gutes getan wird.

Nach der Klimatarier-Challenge glaube ich weiterhin daran, dass auch kleine Schritte einen nach vorne bringen und dem Klima gut tun. Wohl bedachte Schritte sind wichtig. Ich denke nicht, dass ein radikaler Verzicht oder eine radikale Ernährungsumstellung die ultimative Lösung für jedermann ist. Wir alle müssen uns selbst an die Nase fassen und unser eigenes Verhalten beobachten. Was kann ein Einzelner tun? Wie weit kann ein Einzelner gehen? Wie weit ist ein Einzelner bereit, zu gehen?

 

Schritt für Schritt zum Klimatarier

Zu Beginn der Klimatarier-Challenge habe ich diverse Punkte aufgelistet, die ich gerne umsetzen wollte und zu denen ich euch ebenfalls einlud, sie auszuprobieren. Hier mein Recap zu den einzelnen Schritten:

 

  1. Es wird bioregional und saisonal eingekauft. Aber achtung: Auch Bio Bananen müssen weit transportiert werden. Deshalb ist es wichtig, die drei Attribute zu kombinieren und besonders auf saisonale Lebensmittel zu achten. Aber wer will denn schon im Herbst Wassermelone essen, wenn er saftige Äpfel, Birnen und Trauben haben kann?
  • Bio, regional und saisonal einzukaufen war ein Kinderspiel. Da ich ohnehin schon überwiegend regional und bio kaufe, wusste ich, wo ich meine Händler finde. Einziges Manko: Oft sind die Bioprodukte zusätzlich noch eingeschweißt oder in speziellen Folien verpackt, um sie von den Nicht- Bio-Produkten zu unterscheiden. Der anfallende Müll ist daher grenzwertig. Wer das Glück hat und in seiner Nähe einen Wochenmarkt hat, kann dort verpackungsfrei mit dem mitgebrachten Jutebeutel oder Einkaufskorb einkaufen. In Hamburg gibt es nahezu in jedem Stadtteil einen Wochenmarkt und die führen in der Regel hauptsächlich regionale und saisonale Produkte.

 

  • 2. Essen ist kein Abfall, sondern Luxus! Kauft nicht übermäßig ein, sondern plant eure Mahlzeiten durch, bzw. macht einen Wocheneinkauf. So umgeht ihr unnötige Einkäufe, riskiert nicht das Wegwerfen von Lebensmitteln und eurem Geld! Wer seine Malzeiten plant, spart Geld und auch Zeit, denn auf Vorrat gekochte und vielleicht im Kühlschrank aufbewahrte oder eingefrorene portionierte Mahlzeiten lassen sich später noch genießen.

  • Sich bewusst mit der anstehenden Woche auseinanderzusetzen, also: Wann ist wer zuhause? Wann kommt wer zu Besuch und essen wir auch mal auswärts? Sind wir im Büro machen wir Homeoffice? Haben wir Termine oder fahren wir weg? Es hat enorm geholfen, nicht nur den eigenen Terminkalender, sondern auch unseren Wocheneinkauf zu planen. Muss es schnell gehen, weil eng beieinander liegende Termine anstehen? Stehen Festlichkeiten an? Was haben wir noch im Vorratsschrank? Sich Sonntagabend hinzusetzen, die Woche zu planen, hat mir eine Menge Druck unter der Woche genommen. Denn zu wissen, was wann ansteht, was wann gekocht oder vorgekocht aus dem Kühl- oder Tiefkühlschrank geholt werden kann, ist eine große Arbeitserleichterung.

 

  • 3. Selber Kochen! Wer selber kocht, weiß auch, was drin ist. Ich bestelle sehr gerne Essen mit dem Lieferdienst, aber was da immer an versteckten Zutaten drin ist, weiß ich auch nicht. Außerdem ist nicht immer garantiert, dass der Lieferbote mit dem Fahrrad kommt. Der anfallende Müll ist auch nicht von schlechten Eltern. Also selber kochen – das macht ohnehin mordsmäßig Spaß und ist, wenn ich ehrlich bin, meine Zeit, in der ich entspanne!

  • Wir haben uns für diese 10 Tage ein Lieferessen-Bestell-Verbot auferlegt und ich muss zugeben, dass es uns ein wenig schwer fiel. Schwer, weil Lieferessen bequem ist. Als Klimatarier nahm ich vorerst den vermeintlich „unbequemen“ Weg, plante unsere Mahlzeiten durch, plante sie für zwei Tage ein und hatte letztendlich eine kulinarische Befriedigung, die mir lauwarmes Essen vom Chinesen nicht gegeben hätte. Im Nachhinein würde ich den Weg nun nicht mehr als „unbequem“ bezeichnen, obwohl ich die Zeitersparnis (schnell online bestellt, 35Min später steht Essen auf dem Tisch und ich konnte in der Zeit weiter arbeiten) doch sehr schätze. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass ich mir in den 35 Minuten, in denen ich das Essen selbstgekocht und -zubereitet habe, eine Auszeit nahm, Pause machte, den Kopf frei bekam.
    Ihr seht also: Was vorher von mir als eher „unbequemer“ Weg eingestuft wurde, entwickelte sich zu einer Zwangspause, die ich nun noch mehr schätze, als die Zeitersparnis.

 

  • 4. Mach dich schlau und erkunde die regionalen Angebote! Hast du schon einmal Pastinake verarbeitet? Lila Möhren? Portulak? Weisst du, was ein Gravensteiner oder Blauer Schwede ist? Nein? Finde es heraus und erweitere deinen geschmacklichen Horizont!
  • Ich habe mich schlau gemacht, welches Gemüse und welches Obst wann Saison hat. In einigen Regionen gibt es Bauern, die Gemüse- und Obstkisten anbieten. Die werden vom Bauern selbst wöchentlich zusammengestellt oder ihr stellt sie euch nach Gusto zusammen. Man kann diese Kisten im Abo entweder geliefert bekommen oder selbst abholen. Ich überlege derzeit, ob wir unser Gemüse-Abo wieder aktivieren, denn so unterstützt man nicht nur die Bauern aus der Region, sondern kriegt seine Waren mehr als frisch direkt vom Feld und auf jeden Fall bio ohne Plastiktüte. Ein weiteres Interessengebiet, welches sich durch meine Recherche aufgetan hat: Einmachen. Saisonales Gemüse einmachen, haltbar machen und noch Monate später essen können. Habt ihr Tipps zum Thema Einmachen? Bücher? Weckt ihr selbst ein?

 

  • 5. Tausche Butter gegen Margarine! Die wohl einfachste Aufgabe, die tierische Butter, die enorme CO2-Emissionen verursacht, gegen klimafreundliche, pflanzliche Margarine auszutauschen.
  • Das war, wie gesagt, ein Leichtes. Zum Braten verwendete ich schon vor der Challenge oft den Rama Bratprofi, der ist auf pflanzlicher Basis und zum Braten herrlich geeignet. Auch habe ich mich mit dem Selbermachen von Margarine beschäftigt, um nicht nur zu 100% zu wissen, was drin ist, sondern auch um geschmackliche Alternativen zu kreieren.

 

  • 6. Inspiziere deinen Kühlschrank mithilfe des CO2-Rechners und tausche die klimaschädlichsten Lebensmittel durch klimafreundlichere Alternativen aus.

  • Die Lebensmittel in unserem Kühlschrank, deren Herstellung die größten CO2-Emissionen verursachen, waren definitiv die mit tierischem Ursprung: Salami, Frischkäse, Butter, Leberwurst und so weiter. Alles (unter anderem) auch Favoriten von meiner Tochter Emma, aber mittlerweile gibt es auch dazu vegetarische Alternativen. Ganz wegnehmen oder weglassen will ich sie nicht, da es schon auch ein wenig kompliziert ist, einer Zweijährigen den Klimawandel zu erklären. Nicht unmöglich, aber sicherlich mit vielen Tränen verbunden. Natürlich können jetzt einige von euch sagen: Hätteste mal diese Lebensmittel gar nicht eingeführt!“, aber das lässt sich jetzt nicht rückgängig machen und ich mache selbst ja Babysteps. Außerdem bin ich der Meinung, dass jeder für sich selbst entscheiden muss, ob er oder sie vegetarisch leben möchte. Wenn das Eltern für ihre Kinder entscheiden, dann ist das ihre Sache.

 

  • 7. Erzeuge pro Tag nicht mehr als 8 kg CO2 mit deinen MahlzeitenMithilfe des CO2-Rechners wird schnell klar, was die größten CO2-Emissionsverursacher sind. 

  • Aus Neugierde haben wir alle geplanten Mahlzeiten vor unserem Wocheneinkauf in den CO2-Rechner eingegeben und kamen erstaunlicherweise auf ziemlich gute Ergebnisse. So verursacht etwa unsere Kürbis-Apfelsuppe aus der letzten Woche „nur“ 650 Gramm CO2-Emissionen, die Kürbis-Kichererbsenpfanne schlägt mit mageren 1,17kg zu Buche. Das ist ein richtig gutes Ergebnis!

 

Klimatarier-Challenge

 

Und wie geht es nun nach der Klimatarier-Challenge weiter?

Das ist eine gute Frage und nach groß angekündigten Challenges mitunter auch die wichtigste. Denn: Für 10 Tage sein Leben ein wenig umzustellen ist ein guter Anfang, aber reicht mir noch nicht! Jetzt heißt es dran bleiben und nicht in alte Gewohnheitsmuster zurückfallen.

Da ich im Vorfeld bereits einiges für mich aus gesundheitlichen Gründen oder eben auch aus Umwelt-, Klima- und Nachhaltigkeitsgründen schon im Alltag integriert hatte, werde ich nun auch die restlichen Steps aus der oben aufgeführten To-Do-Liste aus der Klimatarier-Challenge für mich und uns umsetzen. 

Ganz vorne mit dabei: Regionales Obst und Gemüse! Wie bereits erwähnt, denken wir über eine erneute Aktivierung unseres Gemüsekisten-Abos nach. Alle zwei Wochen bekamen wir eine Kiste saisonales und regionales Gemüse vor die Tür gestellt. Da der Bauer auch Brot backt, Käse herstellt und auch (nicht selbst, aber der Hofmetzger) schlachtet, konnte ich online zur Gemüsekiste noch Fleisch und Käse bestellen.

In der Vergangenheit bin ich sehr oft ohne Einkaufszettel und eher planlos in den Supermarkt gefahren. Dumm, denn dann steht man ahnungslos vor dem Regal und weiß nicht, was es die nächsten Tage zu Essen geben soll. Vor dem Gemüseregal zu stehen und zu hoffen, dass einen die Kochmuse küsst, kann gut oder auch mal schief laufen. Oftmals hat man zusätzlich noch die Hälfte vergessen oder etwas Falsches gekauft. Oder sogar Dinge gekauft, die schon längst zuhause im Kühlschrank warten. Sich anzugewöhnen organisiert einzukaufen, hilft beim Planen und schont den Geldbeutel.

Ich werde nicht jedes Mal, bevor ich ein Lebensmittel verwende, den CO2-Rechner benutzen, aber grob zu wissen, was man mit der Herstellung oder dem Kauf von einigen Lebensmitteln für CO2-Emissionen verursacht, kann nicht verkehrt sein und wird sich sehr wahrscheinlich früher oder später im Gedächtnis verankern. Ich vermute auch stark, dass sich dies auf mein zukünftiges Kauf- und auch Essverhalten auswirken wird. Da kann und will ich keine Prognosen aufstellen, auch keine großen Pläne schmieden, wie „Ich werde jetzt Vegetarier“ und dann 3 Wochen später den Rückfall mit einem saftigen Steak haben.  Ich bin lieber ehrlich, versuche mich korrekt einzuschätzen, als dass ich mir halbherzige Ziele setze. Denn hin und wieder werde ich auch ein Stück Fleisch essen – und es umso mehr genießen.

Es gibt unterschiedliche Gründe, Vegetarier oder Veganer zu sein – gesundheitliche, ethische und Klima, sowie Umweltgründe. Ich kann sie alle nachvollziehen und bezeichne mich gerne als Flexitarier. Denn wenn ich genau hinschaue, kommt vielleicht zwei Mal im Monat bei uns ein Stück Fleisch auf den Teller. Für Vegetarier und Veganer noch immer zuviel, aber gerade die Option, das frei entscheiden zu können, finde ich angenehm und macht das Essen und den Genuss als Flexitarier aus. Achtet man zusätzlich noch auf seine Umwelt und das Klima, ist doch alles tutti!

Aus gesundheitlichen Gründen kommen bei mir nur wenige bis keine Milchprodukte auf den Tisch, sondern lieber die pflanzlich basierten Alternativen.  Als Teilzeitvegetarier ist mir die Qualität des Fleisches sehr wichtig. Wenn Fleisch gegessen wird, dann vom  Biobauern oder Metzger. Billig produziertes Fleisch kommt bei uns nicht auf den Teller. Gesunder Genuss steht für mich im Vordergrund und der kann auch nachhaltig sein. Wie sehr, das sollte jeder für sich selbst entscheiden dürfen und sich nicht von jemand anderes diktieren lassen. Inspirieren lassen, einen Schritt für unsere Umwelt und das Klima weiter zu gehen, sollte sich allerdings jeder.

Eure Anna

Anna F.
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